Lübeck, 1.4.2006: Pressemitteilung des Vorbereitungskreises

Vorbereitungskreis der antifaschistischen Demonstration am 1.4.2006 in Lübeck

PRESSEMITTEILUNG

4000 Menschen demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch – Tausende beteiligen sich an Blockaden – unverantwortliches Polizeiverhalten - Naziaufmarsch musste stark verkürzt werden

Die VeranstalterInnen bewerten die Beteiligung von etwa 4000 Menschen an der antifaschistischen Demonstration als großen Erfolg.
„Die Breite des Bündnisses, das die Proteste geplant und durchgeführt hat, war beeindruckend. Unabhängige AntifaschistInnen, Schülerinnen und Schüler, ParteienvertreterInnen, Gewerkschaften und Kirchen – sie alle standen gemeinsam gegen die Neonazis.“, sagte Stefan Wiedenhöft, Sprecher des Lübecker Bündnis gegen Rassismus und Anmelder der Demonstration.

Auf der Holstenbrücke hielt die Demonstration an und stellte sich als Blockade dem Naziaufmarsch in den Weg. „Ich war überrascht, wie viele SchülerInnen sich sehr bewusst und sehr entschlossen an dieser Blockade beteiligt haben.“, so Svea Lehmann vom Stadtschülerparlament.

Bereits an dieser Stelle hätte der Einsatzleiter der Polizei, Heiko Hüttmann, die Entscheidung treffen können und treffen müssen, dass ein Marsch der Neonazis in die Innenstadt mit verhältnismäßigem Aufwand nicht durchsetzbar ist.

„Hatte er nicht die Courage, seinen Ermessensspielraum zu nutzen? Jedenfalls hat er mit der Entscheidung, die Neonazis zum Dom zu leiten, die Situation unnötig verschärft.“, sagte Martin Schultner, evangelischer Pastor.

Es ist der Besonnenheit der DemonstrantInnen zu verdanken, dass es trotz des provozierenden Polizeiverhaltens nicht zu einer Eskalation kam. Wir wissen von brutalen Schlagstockeinsätzen gegen demonstrierende Schüler, von mehreren Hundebissen und dem Einsatz von Pfefferspray. Dabei sind zahlreiche DemonstrantInnen verletzt worden. Dutzende AntifaschistInnen sind in Gewahrsam genommen worden.

„Auf der Holstenbrücke waren wir alle noch voller Hoffnung, dass wir den Neonaziaufmarsch mit friedlichen Mitteln gestoppt haben. Umso größer mein Unverständnis, dass ihnen der Weg in die Innenstadt dennoch ermöglicht werden sollte.“, erklärte Melanie Meyer vom DGB Lübeck.

Dass der Naziaufmarsch am Mühlendamm abgebrochen werden musste und die Route durch die Innenstadt doch noch verhindert werden konnte, wertet der Vorbereitungskreis als großen Erfolg für die Zivilcourage der DemonstratInnen.

„Wir bedanken uns bei allen, die dabei waren: bei den Lübeckerinnen und Lübeckern ebenso wie bei den FreundInnen aus anderen Städten, aus Dänemark und Schweden, die uns solidarisch unterstützt haben.“, so Stefan Wiedenhöft abschließend.