Veranstaltung in Kiel zu C18 / Blood&Honour

„Terroristen mit der E-Gitarre"

Rechtsrock – Bestandsaufnahme und Gegenstrategien

Veranstaltung zu den Hintergründen der Aktivitäten von Combat18/Blood & Honour in Schleswig-Holstein mit Christian Dornbusch und Jan Raabe, Autoren des Buches "Rechtsrock"

Freitag 7.11.2003, 20 Uhr, pumpe, Haßstraße, Kiel

Veranstalter: Avanti- Projekt undogmatische Linke

Über 50 Hausdurchsuchungen, 7 Festnahmen, 3 Haftbefehle – am 28.10.03 führte die schleswig-holsteinische Polizei eine Großaktion gegen Neonazis durch, die Beängstigendes zu Tage brachte: unter dem Tarnnamen Combat 18 haben organisierte Neonazis der ehemaligen Kameradschaft Pinneberger Sturm offensichtlich eine lokale Gruppe des internationalen Musiknetzwerkes Blood & Honour gegründet und die verbotenen Aktivitäten fortgesetzt; nach Angaben des LKA Schleswig-Holstein wurden in großem Stil illegale CDs vertrieben und rechte CD-Händler erpresst, die Organisation finanziell zu unterstützen. Bei Mitgliedern der Gruppe wurden Waffen gefunden. In den Waffenhandel verwickelt soll der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Peter Borchert gewesen sein.

Antifaschistinnen und Antifaschisten haben seit dem Verbot der Organisation Blood & Honour Deutschland im Jahr 2000 darauf aufmerksam gemacht, dass deren Aktivitäten ungebremst fortgeführt wurden. Der CD-Handel wurde praktisch ohne Unterbrechung fortgesetzt. Im Februar 2001 wurde in Hamburg ein Konzert durchgeführt, das mit großer Wahrscheinlichkeit von und für Blood & Honour-Strukturen organisiert wurde. Im April 2001 sollte in Kiel ein Konzert durchgeführt werden, bei dem nach Angaben der Kieler Polizei die Band Kraftschlag spielen sollte – Anlass: die Haftentlassung des Kraftschlag Sängers Jens Uwe Arpe. Kraftschlag stammt ursprünglich aus Itzehoe. Die Band verfügt seit je her über beste Kontakte zu Blood & Honour Skandinavien. Arpe beteiligte sich an der Erstellung der Blood & Honour-Verkaufsvideos Kriegsberichter, die an Widerwärtigkeit und Volksverhetzung kaum zu überbieten sind. Konzertveranstaltungen fanden auch im Rahmen von Club 88-Veranstaltungen in Neumünster statt. Hier bestehen beste Kontakte zu Blood & Honour-Aktivisten, unter anderem auch zu dem nunmehr verhafteten Klemens Otto.

Die Polizeiaktion hat also die jahrelangen Warnungen aktiver AntifaschistInnen bestätigt. Bei allen Pressemeldungen bleibt nun der eigentliche Hintergrund dieser Aktivitäten der organisierten Neonationalsozialisten im Hintergrund: Rechtsrock hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem Geschäft von großer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung entwickelt. Neonazis benutzen das Geschäft mit dieser Musik um Tausende Jugendliche zu erreichen. Sie beeinflussen Trends und Stimmungen in der Jugendszene. Um mehr Aufklärung über diese Hintergründe der aktuellen Geschehnisse zu verschaffen, haben wir zwei Autoren eingeladen, die in beeindruckender Weise das Geschäft und den politisch-gesellschaftlichen Background der rechten Musikproduktionen darstellen können.

Die Autoren Christian Dornbusch und Jan Raabe haben im Jahr 2002 mit dem Buch Rechtsrock (Infos über das Buch beim unrast-Verlag) ein Standardwerk zu diesem Thema vorgelegt. Sie stellen die Entwicklung und Bedeutung der bundesdeutschen Rechtsrockszene, also nicht nur des aktuell betroffenen Blood & Honour-Netzwerkes, dar und geben einen Überblick über die Strukturelemente der Szene, also Organisationen, Fanzines, Vertriebe.