Kiel, 27.10.2005: Veranstaltung zum italienischen Squadrismus

„Neofaschistischer Squadrismus in Italien“

Vortragsreihe mit drei AntifaschistInnen aus Mailand/Italien
in Kiel, Berlin, Düsseldorf und Bielefeld

Der Mord an dem Antifaschisten Davide Cesare, genannt „DAX“, im März 2003 war der Auftakt zu einer Serie faschistischer Gewalttaten vor allem in Norditalien, die bis heute andauert. So kam es neben mehreren Brandanschlägen auf linke und soziale Zentren auch immer wieder zu gezielten, organisierten Überfällen und Mordanschlägen auf AntifaschistInnen, bei denen nur durch Glück kein weiterer Mensch getötet wurde.

Die Polizei entpolitisiert diese Gewalttaten, indem sie verharmlosend von „Jungendbandenauseinandersetzungen“ spricht, und ignoriert dabei die faschistischen Hintergründe, die durch Parolen und Sprayereien an den Tatorten eindeutig belegbar sind.

Der Begriff Squadrismus leitet sich von „Squadre“ ab, der Bezeichnung der faschistischen Schlägertrupps der 20er-Jahre in Italien. Diese ebneten mit ihrem Terror gegen die Arbeiterbewegung und jeden antifaschistischen Widerstand Mussolini und seinem faschistischen Regime den Weg.

Zwar gibt es sicher Unterschiede zwischen heute und der Situation vor über 80 Jahren, so handeln die Schlägertrupps heute auf eigene Rechnung und nicht, wie damals, im direkten Auftrag der Herrschenden. Auch sind die Waffen heute „nur“ noch Messer und Brandsätze und zumindest bisher keine Schusswaffen.

Dennoch gibt es viele Parallelen zu den 20er-Jahren. Auch heute sind die Faschisten in Schlägertrupps organisiert und gehen gezielt gegen jeden antifaschistischen Widerstand vor. Dabei suchen sie sich ihre Opfer immer expliziter aus, und auch bei dieser Auswahl der Ziele faschistischer Gewalt lässt sich eine Kontinuität zur Geschichte feststellen. So gehören, neben aktiven AntifaschistInnen und sozialen bzw. besetzten Zentren, auch Mahnmale für die Opfer deutscher Kriegsverbrechen oder Denkmäler für die KämpferInnen der Resistenza zu den bevorzugten Anschlagszielen der Faschisten.

Wegen dieser Parallelen zur Geschichte, der gleichzeitigen massiven Hetze der italienischen Regierung gegen alle linken und antifaschistischen Strukturen bis hin zu den Gewerkschaften und der Bagatellisierung und Entpolitisierung der faschistischen Gewalt durch Polizei und Justiz ist die Verwendung des Begriffs Squadrismus und der damit hergestellte Bezug auf die Geschichte gerechtfertigt.

Die drei italienischen AntifaschistInnen werden über die militante Neonaziszene in Italien und die sich in den letzten Jahren häufenden Überfälle auf Linke und AntifaschistInnen sowie über Brandanschläge auf besetzte und soziale Zentren berichten und diese und damit die Bedeutung der erstarkenden militanten faschistischen Szene in Italien in eine gesamtgesellschaftliche Rechtsentwicklung einordnen. Dabei werden sie auch einen Überblick über die Situation der antifaschistischen Linken in Italien geben.

Weitere Infos zur Situation in Italien und zur Veranstaltung unter: www.nadir.org/OWL

Veranstaltung in Kiel am Donnerstag den 27.10.2005, 19.30 Uhr,
im Kultur und Kommunikationszentrum Hansastr. 48