Kiel, 16.12.2005: Veranstaltung zu Black Metal

Unheilige Allianzen

Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus

Black Metal! Kaum eine andere Musikrichtung erzeugt derart düstere Stimmungen und ist so aggressiv, destruktiv und nihilistisch. Seit annähernd fünfzehn Jahren, als Black Metal in Norwegen neu erfunden wurde, versprüht er seine blasphemischen Botschaften, predigt die Vernichtung der Christen sowie der mit ihnen identifizierten Werte und beschwört die Ankunft des Höllenfürsten. Tausendfach gingen in den letzten Jahren Schallplatten mit derartigen Botschaften über die Ladentheken dieser Welt. Während die Bands der 1980er-Jahre Satanismus noch als ein Image kultivierten, wurde bei den ›neuen‹ Bands daraus blutiger Ernst. Brennende Kirchen und verwüstete Friedhöfe säumten ihren Weg. Gewalttaten bis zum Mord ließen Black Metal als die ›unheiligste Musik‹ in die Geschichte eingehen. Für die Fans dieses Genres ist Black Metal mehr als nur einige brutale Akkorde oder ein grimmiges Image. Die Musik ist und will Ideologie sein – sie soll ausdrücklich eine Ehrerbietung Satans darstellen oder eine atavistische Ausdrucksform einer vermeintlich uralten heidnischen Kultur sein. Als Träger einer Botschaft wird sie von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehört, die sowohl die Zerstörung der Natur als auch die angeblich allumfassende Macht der Kirche anklagen. Sie lehnen humanistische Vorstellungen eines sozialen Miteinanders ab und verachten die in ihren Augen ›oberflächliche‹ Gesellschaft mitsamt ihren Trends und Moden.

Heute ist Black Metal keine reine Nischenmusik mehr, sondern eine der angesagten Stilrichtungen im Heavy Metal. Weder in den auflagenstarken Metal-Magazinen noch auf den Top-Events der Szene fehlen Bands des düsteren Genres. Tausende lesen ihre Interviews, tragen ihre T-Shirts und bejubeln sie auf Festivals und Konzerten. Der politische Kontext, in dem sich manche Band bewegt oder zu dem sie sich bekennt, wird häufig ausgeblendet. Unbeachtet bleibt auch die Entwicklung am rechten Rand des Black Metal. In den letzten Jahren hat sich ›dort‹ eine mehr oder weniger offen neonazistische Szene herausgebildet, deren Übergänge in den ›normalen‹ Black Metal fließend sind. Die Konzerte der Szene sind mittlerweile zu ihrem schwarz-braunen Ebenbild geworden. Das betrifft nicht nur die kleineren Underground-Festivals, sondern auch die Events mit den bekannten Top-Acts bis hin zu den großen Open-Airs. Kaum jemand stört sich daran, wenn auf den Lederjacken Anstecker mit einer ›Schwarzen Sonne‹ prangen, wenn Metaller mit Burzum-T-Shirts ihren Kopf zur Musik schütteln oder wenn Verkaufsstände Platten neonazistischer Underground-Bands feilbieten.

Im Black Metal bildete sich im Unterschied zum ›gewöhnlichen‹ Heavy Metal in den letzten zehn Jahren ein extrem rechter Flügel heraus, der auch organisatorische Qualitäten entfaltet. Ein Netzwerk aus Bands, Labelbetreibern, Herausgebern von Fanzines, Konzertorganisatoren und Fans erschufen eine rechte Erlebniswelt im Black Metal.

Die Referenten Christian Dornbusch und Hans-Peter Killguss beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dieser Thematik. Unter dem Titel „Unheilige Allianzen Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus“ haben sie nunmehr ein 300-seitiges Buch vorgelegt, in dem sie die Szene darstellen und ihre Thesen begründen.

Veranstaltung mit Christian Dornbusch und Hans-Peter Killguss

Freitag, 16.12.2005 19.30 Uhr, Pumpe, Haßstraße 22, Kiel

Veranstalter: Avanti – Projekt undogmatische Linke, pumpe, kielowatt, Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel